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Erfahrungsbericht |
Werteverschiebung - jesusmässig!
Es gibt Gebetsmomente in denen jemand ein Gedanke bekommt, den er zuvor nie hatte. Mir erging es so im Januar - ich war in meinem Zimmer am Beten. Da hatte ich das "Bild" wie Jesus mich auffordert ihm nahe zu kommen - ihn in seiner Seitenwunde zu berühren. Ich brauchte Mut - Mut eine Begegnung zuzulassen - Mut auf Augenhöhe Jesus anzublicken und meine Hand in seine Wunde zu legen. Das ganze war begleitet von viel Misstrauen, Angst vor der Begegnung, dem Wunsch lieber für Jesus zu arbeiten, ihn zu "beknien" etc.. Aber einfach so eine Begegnung, eine Berührung zulassen - das war schwierig. Doch entspannte mich dieser Gedanke und ich merkte, wie es in meine Situation hineinsprach.Seit neun Jahren lebe ich in der Lebensgemeinschaft Basivilla - mit vielen Menschen zusammen. Anfangs lief ich als "Nothelferin" herum - überall eingesprungen, alles erledigt. Mit der Zeit kamen Grenzen hinzu - bei so vielen Leuten konnte ich ja nicht allen gefallen - das tat weh. Ich konnte nicht mehr sein, die ich zu sein schien. Ich zog aus. Später erkrankte ich an einem Bandscheibenvorfall - die Krankheit zog sich dahin - ich merkte ich brauchte Hilfe. Es war schwierig für mich Hilfe anzufordern, aber durch den Leidensdruck blieb mir keine andere Wahl. Erneut zog ich in die Basivilla ein. Aber klar nur so lange wie ich Hilfe brauchte - etwa 9 Monate. Nach langem Ringen konnte ich mich auch langfristig hineingeben. Weshalb habe ich gerungen? Ich hatte einerseits Angst, Misstrauen vor Verbindlichkeit. Mich einzulassen, festzulegen, und damit auch an meinen Grenzen und Möglichkeiten offenbar zu werden, passte mir gar nicht. Andererseits zu sehen was die Basivilla war und zu glauben, dass ich nicht zu kurz kommen würde in Gottes Plänen, fiel mir ebenso schwer. Aber ich tat es. Durch dieses Wagnis lernte ich einiges - Heute wage ich ein "Dreifaches" zu machen. Hilfe zu geben und Hilfe anzunehmen, oder die Not Gott und andern überlassen. In dieser Zeit hat meine Perspektive gewechselt - nicht ich für die Gemeinschaft (also wie kann ich helfen) oder die Gemeinschaft für mich (was bringt die Gemeinschaft mir) in eine Perspektive "ich als Teil innerhalb der Gemeinschaft, innerhalb von Gottes Reich". Ich nehme den oben erwähnten Eindruck als Bestätigung, dass ich berührbar bin und Berührung, Begegnung zulassen will.
Nun wünsche ich auch dir den Mut Jesus Aug in Aug zu begegnen, anstelle nur für ihn zu funktionieren - und ebenso wünsche ich dir den Mut, den Menschen, die du um dich hast zu begegnen, und für sie berührbar zu bleiben. Jawohl jesusmässige Begegnungen zulassen - das wünsche ich dir!
Anita Koch, April 2006

